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Ein Gespräch mit Rafik Schami

Nadia Midani  ist Journalistin, 1955 in Damaskus geboren, studierte in Paris Soziologie und promovierte über „Sippen- und Dorfstrukturen der arabischen Metropolen“. Sie arbeitet bis heute als Journalistin in Damaskus und Paris. Das Regime duldete sie, wegen ihrer mächtigen Sippe, wie sie ironisch sag. wurde sie nie verhaftet. Onkel Schwager und Cousins aus der Midani-Sippe waren in den letzten 40 Jahren führende Generäle und Minister. Aber Nadia Midani, das schwarze Schaf der Familie, durfte nie in der staatlichen Zeitung veröffentlichen. Sie gehörte jahrelang  zur Redaktion der arabischen Ausgabe der französischen Monatzeitschrift „Le Monde diplomatique“ in Beirut.

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Nadia Midani: Ich werde mit dem anfangen, was am Ende bleibt. Ich weiß, es ist eine Falle, niemand wird eine richtige Antwort geben können. Trotzdem stelle ich die Frage: Welche Alternativen stellen sich jetzt den Syrern?

Rafik Schami: Das wissen nur Gott und ein paar ewige Besserwisser. Es gibt aber trotzdem Eckpunkte, innerhalb derer sich eine Antwort finden könnte. Erstens, Syrien wird, wer auch immer siegt, nie wieder zu den Zuständen vor dem März 2011 zurückkehren. Zweitens, diese dramatische Entwicklung wird viele Wunden zurücklassen, deren Heilung sehr lange Zeit in Anspruch nehmen wird. Hier liegt ein gefährlicher Keim für einen Bürgerkrieg, den das Regime züchtet, um dann zu sagen, das sei ein Kampf gegen die sunnitischen Extremisten. Dieser Keim bleibt virulent, auch wenn der Aufstand den Herrscher stürzt. Drittens, das Regime hat die Maske „des Augenarztes, der in London studiert hat und mit einer charmanten, modisch bewussten Frau verheiratet ist“ für immer herunter gerissen. Baschar al Assad bekam immer mehr das Gesicht eines Diktators, der – wie sein Vater 1982 – seine eigenen Städte bombardiert, der mit Scharfschützen auf  Demonstranten schießen lässt, der Zehntausende verhaftet und foltern lässt. Viertens…

 

N. M.: Kann es sein, dass er die Kontrolle verloren hat, dass sein Bruder Maher das Ganze anführt?  

R. S.: Armee und alle 15 Geheimdienste sind dem Präsidenten direkt unterstellt. Wir können noch darauf zurückkommen, aber noch kurz zur Antwort auf die erste Frage: Viertens, die Syrer haben viel für das Abstreifen der Angst bezahlt. Sie haben bis heute über 2000 Tote zu beklagen. Es kann sie noch mehr kosten, aber da sie alles selbstständig, ja isoliert und ohne jede Hilfe, geleistet haben, kann ihnen keine Diktatur mehr Angst machen. Die Straße politisiert sich, wie noch nie in den letzten  hundert Jahren. Jede Regierung wird das zu spüren bekommen.

 

N. M.: Wo und wann genau hat denn der syrische Aufstand angefangen?

R. S.. Es war am 15.3.2011, und es waren Kinder, die ungewollt in der bis dahin schläfrigen, staubigen Stadt Daraa den Aufstand anzettelten. Sie schrieben unschuldig und arglos mit Kreide und Spray das auf die Mauern, worüber die Erwachsenen nur leise sprachen. Der Chef des Geheimdienstes in Daraa, ein Cousin des Präsidenten, ließ die Kinder daraufhin gefangen nehmen und foltern. Das war für die Eltern unerträglich.

 

N. M.: Ich hoffte aber, im Gegensatz zu Ihnen, immer noch, dass der Sohn nun nach und nach Reformen durchsetzt und Syrien in eine vielstimmige Demokratie führt… Nun, ich gebe zu, mit Asche auf dem Haupt, ich habe damals Ihre sture Ablehnung öffentlich kritisiert, als Sie geschrieben haben „Syrien braucht Demokratie und keine Assad-Erben“. Trotzdem frage ich jetzt, hätte es an Stelle der Rebellion andere Möglichkeiten gegeben?

R. S.: Meine unversöhnliche Haltung hatte und hat mit meinem Exil zu tun, das neben seinen bekannten Nachteilen auch Vorteile hat. Man kann sich besser informieren und seine Gedanken frei entwickeln und äußern. Syrien war die erste arabische Republik, in der Herrschaft vererbt wird. Als gäbe in ganz Syrien keine fähigen Frauen oder Männer, die dieses Land regieren könnten – und zwar nach dem Willen des Volkes. Diesen blassen Mann Baschar al Assad, der mit Politik nichts zu tun haben wollte, als Nachfolger zu benennen, war eine Beleidigung des republikanischen Gedankens. Die Geheimdienste hatten große Bedenken. Man hat dem Mann im Schnellkurs Umgangsformen beigebracht und erhob ihn in Militärränge, die normalerweise 20 Jahre Erfahrung in einer Armee verlangen. Man hat ihn dann als „Reformer“ verkauft, und er ließ öffentlich ein paar Arbeitskreise tagen, natürlich unter genauer Beobachtung des Geheimdienstes. Er erlaubte eine satirische Zeitschrift und ließ ein paar korrupte Minister verhaften. Es war ein Schauspiel, dessen Regie er führte, von Anfang an, bis alle Armeegeneräle, alle politischen Führungskader entweder ihre Loyalität bekundeten, oder entlassen wurden. Und dann regierte er elf Jahre ohne eine einzige Reform. Das alles war vom Ausland aus besser zu überblicken als im Inland. Wir, hier im Exil, beobachteten die Euphorie skeptisch und sahen, wie die alte Mafia nur durch ihre Söhne ersetzt wurde. Das war die einzige Änderung. Und das Regime dieser Söhne wurde noch frecher. Wer hat alle Telekommunikationsrechte an seinen Cousin verschenkt? Wie kann ein Cousin des Präsidenten von einem Habenichts in zehn Jahren zu einem Milliardär werden? Woher stammen die Milliarden der Familie Assad auf den europäischen und amerikanischen Banken?

Und dann verkauft der gleiche Assad sich vor seinem Volk als Gegner der Amerikaner.

 

N. M.: Aber trotzdem, warum kann so ein Regime nicht reformiert werden?

R.S.  Weil es bereits beim ersten Schritt einer ernsthaften Reform von innen heraus zusammen bricht, implodiert. Dieser erste Schritt wäre die Auflösung aller 15 Geheimdienste. Der zweite Schritt dann, dem syrischen Volk die geraubten Milliarden zurückzugeben. Wir brauchen keine Entwicklungshilfe.

Alles andere ist nur oberflächliches Theater für eine ebenso oberflächliche Presse. Trotzdem, eine Möglichkeit gab es für ein paar Tage. Unmittelbar nach Ausbruch des Aufstands am 15.3.2011 hätte der Präsident, gestützt auf die Massen, die niemals und nirgends zu seinem Sturz aufriefen, sondern für Freiheit, Demokratie und gegen die Korruption demonstrierten, einige seiner besten Berater um sich scharen und sofort die Geheimdienste auflösen können. Er hätte radikale Reformen einführen müssen, in täglich kontrollierbaren und nachvollziehbaren Schritten. Er wäre zum Helden des Volkes geworden und das hätte ihn und sein Leben geschützt. Aber vielleicht wäre er tot gewesen, noch bevor er den letzten Satz seiner geplanten Reform ausgesprochen hat. Von seinen eigenen Schergen ermordet.

Dann wäre allerdings der Wechsel zur Demokratie schneller passiert, weil die keine Zeit gehabt hätten, einen Nachfolger aufzubauen.

Was aber hat er gemacht? Er ist erst einmal 14 Tage verschwunden und gab seinem mörderischen Bruder Maher al Assad, und seinem Schwager Assef Schaukat den Befehl, alles zu ersticken. Bis heute hat er, autistisch wie alle arabischen Diktatoren, nichts gelernt. Er taucht auf, verspricht Reformen, verspricht, dass ab sofort nicht mehr auf die Demonstranten geschossen werde und am darauffolgenden Tag werden doppelt so viele ermordet.

 

N. M.: Ist Baschar al Assad der Anführer des Regimes oder doch nur eine Marionette der Geheimdienste?

R. S.: Er ist der Anführer. Er teilt die Macht mit seiner Familie, aber er trägt die volle Verantwortung, da Armee und Geheimdienst ihm direkt unterstellt sind. Andererseits ist er selbst, wie auch seine Führung, gefangen in diesem System, das 20 Millionen Menschen bevormundet und unterdrückt.

 

 

N. M.: Erklärt der Beginn der Revolution durch Kinder den Hass der Geheimdienstler auf die Kinder? Etwa bei der Ermordung von Hamza al Khatib?

R. S.: Nur unzureichend, weil sie ihn hätten töten und verschwinden lassen können, wie Tausende, die spurlos verschwanden. Aber sie brachten den Eltern seine verstümmelte Leiche zurück. Der Junge muss in der letzten Stunde seines Lebens die Hölle auf Erden erlebt haben. Es war eine Botschaft, eine Warnung: Wir werden niemanden schonen und wir treffen euch an eurer empfindlichsten Stelle.

 

N. M.: Das hatte aber die gegenteilige Wirkung.

R. S.: Weil der Geheimdienst nicht bedacht hat, dass die friedlichsten Syrer unversöhnlich werden, wenn man ihre Kinder anfasst. Hamza al Khatib wurde zur Ikone der syrischen Revolution und die Aufständischen demonstrieren seit seinem Tod nicht nur freitags wie zuvor, sondern jeden Tag.

 

N. M.: Aber nicht in Aleppo und Damaskus. Wenn man von den Rändern dieser Großstädte absieht. Ein Freund von mir telefoniert regelmäßig mit mir aus einem Lokal im Zentrum der Stadt Damaskus und lacht und plaudert, als wäre er in Paris.

R. S.: Die Städte in den asiatischen Ländern, darunter Syrien, haben eine andere Tradition als die Städte in Europa. In der arabischen Stadt z.B. war der Herrscher mit seiner Anhängerschaft, seinen Militärführern, seinem Geheimdienst-, Militär- und Polizeiapparat präsent. Die Feudalherren lebten in der Stadt und saßen nicht in ihren Besitztümern wie in Europa, wo sich die Stadt zu einem bürgerlichen Gegengewicht und einem Zentrum des Widerstands entwickeln konnte.

In Damaskus und Aleppo haben Händler und  Industrielle, Importeure und andere Nutznießer so viele Gewinne erzielt wie noch nie in der Geschichte. Das heißt, dort haben die Menschen etwas zu verlieren.

Der Aufstand von Damaskus und Aleppo würde das Ende des Regimes bedeuten.

 

N. M.: Und warum rebellierte die Provinz nicht gegen den Vater, sondern erst jetzt gegen den Sohn?

R. S.: Weil die Zeit nicht reif war damals, weil es den Auslöser in den umliegenden arabischen Ländern brauchte, und weil der Vater Assad und seine Helfer selbst aus der Provinz kamen und die Beziehung zu ihrem Ursprung pflegten. Viele Tausende wurden aus den Sippen der an der Herrschaft Beteiligten zu Posten in Armee, Geheimdienst und Polizei berufen. Die zweite Generation, also die Söhne dieser Schicht wurden Städter und vergaßen gerne ihren bäuerlichen Ursprung. Die Menschen der Provinz stürzten ins Elend und jetzt geben sie die Antwort darauf.

 

N. M.: Das Regime behauptet, es seien bewaffnete Terroristen, die es bekämpft. Das ist inzwischen mehr als lächerlich, seit mehr als fünfzehntausend Syrer vor ihrer schützenden Armee in die Türkei geflüchtet sind. Ich persönlich bewundere den Mut der Zivilisten, friedlich das Regime stürzen zu wollen, aber ich sehe das als Selbstmord angesichts der Brutalität der Truppen des Bruders Maher al Assad.

R. S.: Das syrische Volk zeigt, was eine zehntausend Jahre alte Zivilisation bedeutet. Ich verneige mich vor dieser Zivilisiertheit. Aber nun zu Ihrer Befürchtung. Der friedliche syrische Aufstand ist der längste der Geschichte. Darauf hat kein Herrscher der Welt eine Antwort. Das Regime reagiert nur noch, die Initiative ist längst in der Hand der Aufständischen und damit ist schon ungeheuer viel erreicht. Die Dauer des friedlichen Aufstands wird das Regime niederwerfen. Sie lähmt seine Bewegung. Die Händler, die jetzt noch zu ihm stehen, werden es bei Niedergang ihrer Geschäfte fallen lassen. Das ist das offene Geheimnis dieser Revolution. Wer aufruft, zu den Waffen zu greifen, ist entweder ein Idiot oder Agent des Regimes, denn in diesem Falle würde die sklavisch gehorsame, hochbewaffnete und bestens gedrillte Truppe des Bruders und Schwagers und Cousins des Präsidenten siegen.

 

N. M.: Wie groß ist der Einfluss von Schriftstellern und Kulturschaffenden auf die Demokratisierung Syriens? Müssen sich Intellektuelle zu Politik und Revolutionen äußern?

R. S.: Literatur und Kunst können nur einen indirekten politischen Einfluss nehmen. Und immer wenn sie versuchten, direkt zu werden, hatte das katastrophale Folgen. Die Rolle der Künstler, Schriftsteller oder Intellektuellen ist m.E., die Diskussion während der Revolution zu vertiefen, die Menschen zu ermutigen, einen humanen Weg einzuschlagen und die Hand auch den einstigen Feinden zu reichen. Sicher, unabhängige Gerichte müssen für eine gerechte Bestrafung jener Verbrechen sorgen, die die gestürzten Herrscher begingen. Aber nicht als Racheakt, sondern im Sinne eines demokratischen Reifungsprozesses. Die Flucht vor der Verantwortung mit scheinheiligen Argumenten wäre ein Fehler.

 

N. M.: Gibt es syrische Künstler, die sich im Inland politisch engagieren? Was wird aus denen, die mit der Macht arbeiteten?

R. S.: Sicher gibt es sie. Sowohl im Exil, als auch in Syrien gibt es mutige Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle, die gegen die Diktatur sind. Es gibt aber auch jene, die grundsätzlich mit den Diktatoren liebäugeln und deren Förderungen und Preise kassieren. Der Witz der Geschichte ist, dass man dieselben Namen später auf den Unterschriftenlisten der Umstürzler wieder finden kann.

Aber jetzt veröffentlichen die Revolutionäre die Namen dieser korrupten Kriecher. Diktatoren ähneln Kernkraftwerken: Sie versprechen viel und verseuchen jeden, der mit ihnen in Berührung kommt. Es sind nicht nur Araber, die den Diktatoren huldigen. Auch Deutsche und Europäer verführt immer wieder das Geld, und so wurden sie zu Handlangern von Saud, Assad, Gadhafi und Saddam Hussein.

 

N. M.: Was ist an der Macht so verführerisch, dass sie Intellektuelle anzieht?

R. S.: Es ist weniger der direkte Vorteil, Geld, Auto oder Haus als vielmehr die Eitelkeit, die durch die Nähe zur Macht befriedigt wird. Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle sind am wenigsten immun gegen diese Krankheit. Man begleitet einen Präsidenten bei einem Staatsbesuch…, man wird vom Kultur- Innen- oder Außenminister eines anderen Landes empfangen, man tafelt mit den wichtigsten Männern, die nebenbei erwähnen, dass sie gestern mit Obama, Sarkozy oder dem Teufel telefoniert haben. Das alles verführt. Viele, vor allem alternde Kollegen, die langsam in den Schatten geraten, versuchen wieder etwas mehr ins Rampenlicht zu kommen - und wirken dabei elend lächerlich.

 

N. M.: Die syrische Revolution scheint mir ohne Kopf zu sein, das scheint mir bedenklich. Keine Partei oder kein Kader führt sie. Ist das nicht gefährlich?

R. S.: Das, was in den arabischen Ländern geschehen ist, und noch geschieht, ist neu. Etwas Vergleichbares gab es noch nicht in der Geschichte, eine Revolution, die ohne charismatische Führung, ohne Partei, ohne Waffen siegreich ihren Diktator stürzt. Die Tunesier und Ägypter haben das großartig gemacht. In Syrien ist es komplizierter, weil Syrien ein sehr wichtiger Dominostein in der arabischen Konstellation ist, und weil dieses Regime das erfahrenste mit Bürgerkrieg (im Libanon) und mit der stetigen Herrschaft einer Familie seit 40 Jahren ist. Aber gerade, weil die Revolution keinen eindeutig bestimmten Kader hat, ist es für die Diktatur so schwer, sie zu unterdrücken. Früher lähmten sie die Opposition innerhalb einer Woche, indem sie die Führung festnahm. Heute verhaften sie 10.000, töten 2000, zerstören Städte - und der Aufstand wird immer stärker. Diese Stärke ist auch zugleich die Schwäche der Revolution, weil sie nicht zielgerichtet ist, wie eine zentralgeführte Bewegung. Die modernen Kommunikationsmittel Facebook, Twitter, Internet, Kameras, Handys geben ihr so etwas wie ein Nervensystem, schützen sie vor tödlichen Übergriffen.

Aber langsam müssen lokale Koordinationskomitees entstehen, die mit anderen Komitees ihre Strategie und Taktik abstimmen, sonst bewegen sich die Aufständischen im Kreis

 

N. M.: Nehmen wir an, Assad wird stürzen. Was kommt danach? Welche Gefahren lauern dann? Was, wenn die Fundamentalisten Syrien in einen Gottesstaat verwandeln wollen?

R. S.: langsam, langsam. Assad ist noch nicht gestürzt und ich fürchte, er wird nicht abdanken, ohne einen Bürgerkrieg anzuzetteln. Hier hätte er Gadhafi als Vorbild. Das wäre die größte Katastrophe, und davor warne ich in allen meinen Artikeln in den oppositionellen Zeitungen. Weil so viel Blut geflossen ist, und weil Fundamentalisten gegen die Alawiten hetzen, und nun im Augenblick des Sieges Rache nehmen werden, ist diese Gefahr da. Aber dagegen steht die Mehrheit der Aufständischen, die für eine demokratische, freiheitliche Republik sind. Wir müssen lernen zu verzeihen, und Verzeihen bedeutet etwas zu vergessen, sonst wird das Leben unmöglich. Syrien ist mit seinen vielfältigen, religiösen und ethnischen Minderheiten ungeeignet für einen Gottesstaat. Die Partei der Muslimbrüder ist aktiv, aber sie würde bei einer Wahl nicht einmal 10% der Stimmen bekommen, und die soll sie bekommen, aber sie muss erst die Gesetze des demokratischen Staates akzeptieren und offiziell erklären, dass sie gegen das Kalifat ist, die Christen akzeptiert und ihre Finanzen und ihre Beziehung zu Saudi-Arabien klar legen. Ohne Saudi-Arabien ist diese Partei harmlos.

 

N. M.: Ist die Sorge des Westens um die Christen berechtigt?

R. S.: Das ist reine Heuchelei. Der Westen hat sich keine Sekunde in fünfzig Jahren um das Wohl der arabischen Christen unter der Diktatur gekümmert. Ganz im Gegenteil. Die Christen in Syrien waren natürlich immer wie alle Minderheiten gefährdet, aber sie genossen seit Tausenden von Jahren das geschützte Leben mit den Muslimen…Auch während der Kreuzzüge…und sie werden auch den Übergang zur Demokratie überleben.

© 2011 by Rafik Schami